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Überall pieksten sie mich...überall...ich konnte nichts mehr sehen. Ich musste ausweichen. Ich hatte Angst. Würden sie mir die Augen zerstechen? Der prasselnde Regen betäubte meine Ohren. Ich fühlte mich in die Enge getrieben. Gefangen. Ich war auch gefangen: zwischen endlos vielen Regenschirmen und trotzdem pitschnass. Der Gegenstand zum Schutz vor Nässe erwies sich gerade eher als Feind und die Träger dieser unerbittlichen Monstergegenstände waren grau, grau, grau, schlecht gelaunt und grau. Ich kam mir so furchtbar verloren vor – in meinem kurzen T-Shirt. In meinen hellen Jeans und meinen bunten Sneakern. Natürlich waren all diese grießgrämigen Menschen wieder schlauer als ich gewesen und hatten den Wetterbericht gehört: Ein anhaltendes Kältetief mit Regen vertreibt die letzten Sonnenstrahlen des goldenen Herbst. Winterstimmung hält Einzug im Lande. Es war immer so: entweder ich zog mich zu warm oder zu kalt an....
Autsch...ein unangenehmer Piekser von einem Schirmausläufer riss mich aus meinen Gedanken. „Rush hour“ konnte man das wohl nennen: alle Leute rennen – als ginge es um ihr Leben – zum Bus um den Nachhauseweg anzutreten. Und wohin? In ihr Musterhaus oder ihre Musterwohnung mit dem langweiligen Max Mustermann Klingelschild. Aber wieso musste dieses Leben, diese Welt so furchtbar trist sein – wieso gab es so viel grau und schwarz und nicht mehr bunte Farbenkleckse? Schon alleine diese Auswahl an Schirmen, alle sahen sie aus wie lieblose Werbegeschenke. In dunkelblau, grau und schwarz. Hätte ich doch bloß mein Prachtstück mitgenommen: Knallrot mit vielen Punkten und bunten Knöpfen drauf. Ich musste aus der Reihe tanzen. Das tat ich schon als Kind – damals habe ich Knöpfe gesammelt. Auch die Knöpfe, die in der Kleiderabteilung von unserem Kaufhaus noch an der Kleidung hingen. Viel Ärger habe ich mir damit eingehandelt, aber auch viel Freude – meine Knopfsammlung ist immer noch mein Heiligtum. Und daraus habe ich auch etwas gemacht, etwas – das könnt ihr euch nicht vorstellen – ich habe...“AUA!“ mir schossen Tränen in die Augen. Aus Schmerz und auch aus Wut.
So eine dämliche Schirmspitze hatte mich ins Auge gepiekst. „Boar! Dir kratze ich die Augen aus!“ wütete ich. Als ich meinen Blick aufrichtete, strahlte mich ein attraktiver Junge an. Ich korrigiere: Mann. Schließlich schien er in meinem Alter zu sein. Er hatte – es war so klar: ein graues T-Shirt an...aber seine Augen strahlten – sie waren stahlblau und als ich sein Gesicht noch weiter unter die Lupe nahm, entdeckte ich etwas, was mich noch viel mehr erfreute: Froschgrüne Kopfhörer! Wenigstens etwas Sonnenschein an diesem Tag. In meiner Phantasie tanzten die Noten zu seiner Musik und rankten sich um mich und ihn. Doch auch die Realität war nicht ernüchternd. Denn es schien ihm wirklich leid zu tun und er wollte mich auf einen Kaffee einladen: Aber so leicht ließ ich mich nicht um den Finger wickeln. Mal so auf nen Kaffee einladen, kam da gar nicht in die Tüte. Ich antwortete: „Besorg mir einen besonderen Knopf und dann überlege ich es mir.“ Der Blick von ihm, das konnte ich mir denken. Unkonventionalität war ja nicht gerade eine Tugend in der heutigen grauen Gesellschaft. Er schaute mich an, als hätte ihn ein Pferd getreten, aber seine Sommersprossen waren trotzdem süß...ach quatsch...so was Sentimentales, so bin ich doch gar nicht. Doch als sich sein Blick klärte, folgte gleich die unerwartete Antwort: „Okay.“ Und das ohne wenn und aber. Ich war überrascht. „Gehen wir gleich auf Knopfsuche?“ fragte er. „Äähhh...Ooo..kay.“ stammelte ich. Dann spannte er seinen Schirm auf – er war knallrot – und wir kämpften uns durch die langweilige Masse. Bewaffnet mit einer kindlichen Mission, die uns zwischen all den langen Gesichtern strahlen ließ. Tatsächlich schien dieser Mann zu wissen, was er wollte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er lief ohne Umwege auf den großen Stadtpark zu. Einen meiner Lieblingsplätze, hier konnte ich stundenlang sitzen, unter den verschnörkelten Eichen und Bücher lesen. Bücher, die mich in andere Welten führten, Welten die bunt und kreativ waren. Jetzt machte der Park jedoch einen eher trostlosen Eindruck: von den Ästen der uralten Bäume tropfte der Regen, ihre Blätter lagen auf der vom Nass durchtränkten, matschigen Wiese – die nicht annähernd so duftend grün und weich war wie im Sommer. Aber Moment: Wieso gingen wir im Park auf Knopfsuche? Nicht dass ich es hier mit einem verrückten Irren zu tun hatte, der mich...oh Gott... „Stopp!“ sagte ich bestimmt. „Was wollen wir hier?“ „Ich hatte heute einen seltsamen Tag.“ antwortete er mir. Was war das denn für eine Antwort auf meine Frage? „Ich habe heute an dieser Stelle...“ wir befanden uns in dem Rondell des Parks. „…einen Knopf gefunden.“ Er zog einen durchsichtigen Knopf mit goldener Inschrift aus seiner Hosentasche. Der Knopf zog mich in seinen Bann. Er erinnerte mich an etwas. An etwas Schönes. Doch was war es? „Komm mit.“ sagte ich zu ihm. „Aber willst du nicht meine Geschichte zu Ende hören?“ fragte er mich völlig aus dem Konzept gebracht. „Ich glaube ich habe auch eine Geschichte zu diesem Knopf.“ antwortete ich.“...in meinem Laden. Dort ist es warm. Dort gibt es Kaffee und eine gemütliche Couch. Ich glaube, wir müssen uns über etwas unterhalten.“ Ich wusste jetzt, woran mich dieser Knopf erinnerte. Aber das war nicht der richtige Ort. „Okay.“ meinte er. Dieser Mann war wirklich unkompliziert.
So machten wir uns auf den Weg und stiegen in den nächsten Bus – zum Glück hatte das Gedränge aufgehört. Es war seltsam: ich saß neben einer Person, dessen Namen ich nicht einmal kannte und der mir doch so seltsam vertraut war. Doch anstatt nach seinem Namen oder irgendetwas Persönlichem zu fragen, forderte ich ihn auf mir den Knopf zu geben. Ich kramte mein buntes Nadelkissen aus der Tasche und nähte den Knopf an den unteren Rand meines T-Shirts. Er saß neben mir ohne Fragen zu stellen, als wüsste er, dass ich schon seit meiner Kindheit Knöpfe sammle und sofort an meine Shirts nähe. Im Gegensatz zu den grauen Mustermenschen, die mich fassungslos im Bus anstarrten. Wer hat auch schon ein Nadelkissen mit Schleifen und kunterbunten Nadeln bei sich? Und wer näht mitten im Bus bunte Knöpfe an sein Shirt? Ich. Ich war etwas Besonderes. Mit meiner Leidenschaft für Knöpfe hatte ich einen herrlichen Platz zum Verweilen und Wohlfühlen geschaffen: Das Knopfsteinpflaster. Einen Laden voller Leben und Kreativität. Einen Laden für unkonventionelle Kleidung, Träume und Wünsche. Mehr als ein Geschäft. Wie er wohl darauf reagieren würde? Ich hatte ihm einiges zu erzählen…
Wie es mit Lena und dem Unbekannten weitergeht, erfährst du anhand unserer nächsten Kollektion. Denn um ein Geheimnis zu lüften, bedarf es manchmal gewisse Zeit.
Auch du bist etwas besonderes, vielleicht auch jemand mit einem besonderen Geheimnis und hast deinen eigenen Stil? Dann fühlst du dich in der Kleidung von Knopfsteinpflaster pudelwohl! Zeig wer du bist und geh mit uns auf Knopfsuche!
Die knopfstein-crew
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Quelle: https://blogkommentare.simpilio.de/mitteilung/Lena%27s_Knopfsuche
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